Die Wahrnehmung der Unschuld eines jeden Moments aus der Tiefe bodenlosen Empfindens vernagelt sich der denkende Mensch selbst. Das sprichwörtliche Brett vor dem Kopf verbildlicht die massive Verdichtung geistiger Regungen. Dann pocht der im Glauben Halt Suchende auf sein Recht, koste es, was es wolle.

Damit gehe ich bis nach Karlsruhe. Sie hören von meinem Anwalt! Und schon landet die Klageschrift im Briefkasten. Bei wem auch immer. Hauptsache, es gibt einen Schuldigen für die Besessenheit des sich im Recht Glaubenden. Richtig und falsch. Erlaubt, verboten. So lernen es die Kinder. Fehler werden bestraft. Das im Zustand reinen Empfindens inspirierte Denken gilt als nutzlos.

Erfinder gibt es nur im Comic von vorgestern. Daniel Düsentrieb. Wird der Gashahn abgedreht, gehts zurück in die Steinzeit. Elektroautos und Räder gaukeln energiesparende Modernität vor und streicheln das schlechte Gewissen gegenüber den wahrhaft kreativen Forschern. Wir könnten aus dem Stand heraus diverse Entdeckungen verkannter "Spinner" gegen den totalen Blödsinn der E-Mobilität oder gar Laufzeit-Verlängerung von Atomkraftwerken ins Spiel bringen und deren Umsetzung fördern, wäre da nicht der brettvernagelte engstirnige falsche Stolz regierender Narzissten.

Das Licht am Ende des Tunnels bzw. vor den brettverschlagenen Köpfen findet keinen Einlass in die Herzen der Lebensängstlichen. Auf der Flucht vor dem finsteren Loch in ihrer Brust zertreten sie die letzten Hoffnungsfunken.

Jutta Riedel-Henck, 6./7. August 2022

 

aus: "Geldwertgefühl". Werk in der Entstehung: 3. Oktober 2021 – ...