Es ist an der Zeit, sich von allen Religionen zu verabschieden. Die Menschen haben sich gegenseitig und selbst das Leben zur Hölle gemacht, indem sie den Spirit personifizierten, wenn auch alle Materie Geist ist.

Alles ist Geist. Alles ist heilig. Gott ist gleich einem Komponisten, der uns eine Geister-Partitur liefert. Wir sind die Interpreten. Lesen in der Schöpfung. Der Geist ist und bleibt unsichtbar. Jeder Versuch, ihn zu materialisieren, zu manifestieren, festzuhalten, um ihn greifen, begreifen zu können, muss scheitern.

Die Materie ist instabil. Nur im Wesentlichen existiert das Immer-Währende. Alles ist stille Musik. In der Stille erklingt das Lied Gottes in unendlich vielen Variationen. Von keinem einzigen Komponisten auf Erden notierbar. Auch dem hoch verehrten Johann Sebastian Bach ist dies nie gelungen, so sehr er danach strebte, das Göttliche zu verstehen. Womöglich hat er ihm, dem Wahrhaftigen, mit seinen virtuosen imposanten Notenspielen die Show gestohlen?

War Johann Sebastian ein glücklicher Mensch? Glückselig? In Liebe versunken?

Hat er sich dem endlosen Raum des Nichts hingegeben, anvertraut? Der Stille zwischen den Tönen?

Jutta Riedel-Henck, 9. November 2022

 

aus: "Nichtsvertrauen". Werk in der Entstehung: 4. Oktober 2022 – ...