Sie meinen, die Zeit sei real und keine Einbildung? Wenn Sie so denken, haben Sie Recht. Weil Sie so denken. Und nun denken Sie einmal an die Zeiten, wo Sie die Zeit vergessen haben, weil Sie in Ihrem Sein vollkommen aufgegangen sind. Gibt es nicht? Ist Ihr Leben von vorne bis hinten durchgetaktet und Sie erwachen bereits pünktlich zum geplanten Termin, ohne dass der Wecker klingelt?

Wie lange halten Sie das durch? Bis zu Ihrem irdischen Abtreten? Haben Sie bereits Ihren Tod geplant, eine Sterbeversicherung abgeschlossen und das Grab ausgesucht?

Vielleicht schreiben Sie vorher noch Ihre Autobiographie, ordnen die Fotos Ihrer Kindheit, Schulzeit, Hochzeit, Niederzeit (wenn Sie diese ebenso zuverlässig dokumentiert haben wie die Höhepunkte), präsentieren Ihr Leben als linearen Verlauf einer Chronik, an der sich Ihre Nachfahren orientieren mögen.

Die Chroniken unserer Ahnen zu pflegen, archivieren und restaurieren, würde für jeden weiteren Nachgeborenen zu einer unerfüllbaren, zum Scheitern verurteilten Aufgabe, dem er das eigene Leben zu opfern hätte. Und das nur, weil Menschen glauben, Zeit hätte eine Qualität, die festzuhalten und weiterzuvererben sei.

 

aus: "Corona – Spielball der Schöpfung" von Jutta Riedel-Henck (Werk im Entstehen, 20. April 2021 – ...)