Wohin ich auch in Gedanken schweife, mein Herz weist mir den Weg. So viele Gedanken sind dem Herzen Feind. Ich fühle mich verantwortlich für das Denken jener, die mich bedrohen. Die mir durch ihr Verhalten unmissverständlich signalisieren, dass sie auf mein Herz, mein Wohl keine Rücksicht nehmen. Weil sie nicht auf ihr eigenes Herz hören.

Das Herz eines jeden ist ein missbrauchtes Kind. Statt sich ihm in Liebe selbst zu widmen, erwarten viele die Zuneigung und Pflege von anderen – missbrauchten Kindern. Wie sollen missbrauchte Kinder einander lieben? Wenn sie selbst ohne Liebe sind? Für sich? Sie enden alle in der Sucht mit mörderischen Folgen.

Mit keinem Geld der Welt ist diese von den Menschen selbst geschaffene, gepflegte und akzeptierte gefährlichste Krankheit zu heilen!

Mein Herz weist mir den Weg nach innen, unnachgiebig. Weg von all den Verlockungen im Außen. Wer sich aus dem Fenster lehnt, droht zu fallen. Warum sollte ich das tun? Es gibt eine Tür, die ich öffnen und schließen kann. Die Welt scheint voller Süchtiger, Suchender nach einem Heim für ihr missbrauchtes Kind und sehnen sich nach Schutz in einem heilen, vertrauensvollen Mutterhaus. Das ich ihnen nicht sein kann und will. Wie sollte ich? Ließe ich ein fremdes Herz in mir wohnen, würde es mein eigenes Herz verdrängen.

So denken die Süchtigen. Rücksichtslos. Und dumm. Blind. Sie denken nicht an mich. Nur an sich selbst. Über mich. Auf Umwegen. Projizieren ihre Bedürfnisse auf mich, die sie befriedigen soll an ihrer Stelle. Dafür müsste ich mich selbst opfern. Ist ihnen das nicht klar? Sie ermorden das Objekt ihrer Begierde! Und dann? Gibt es für mich einen Ersatz? Einen Klon? Vielleicht hätten sie das gerne … und glauben es sogar. Aber mich gibt es nur einmal. Wie jedes andere Wesen auch. Niemand ist ersetzlich! Jeder ist anders. Einzigartig. Wenn ich weg bin, bin ich weg. Ich werde nicht wiederkommen.

Jutta Riedel-Henck, 3. November 2021

(aus: "Geldwertgefühl". Werk in der Entstehung: 3. Oktober 2021 – ...)