Jutta Riedel-Henck

Take Twelve

    Warum bist du hier?

Warum fragst du?

            Um mich wichtig zu tun.

Wichtigtuerei. Was ist das überhaupt für ein bescheuerter Ausdruck?

            OK, ich will nur deine Aufmerksamkeit.

Seltsam, wie die Leute anbändeln.

            Das Band der Liebe.

Unsere Sprache strotzt nur so von leeren Floskeln.

            Gewichtige Floskeln! Die Liebe!

Die große, ja ja. Wer sich bläht, hat sie verloren.

            Und sucht sie im Stellen von hohlen Fragen.

Fragen stellen, Fallen stellen ...

            Also, warum bist du hier?

Ich hab keinen Plan.

            Warum nicht?

Du nervst!

            Und du bist aufmerksam.

Ja, aber im Hinterkopf habe ich nur einen Gedanken: Wie werde ich diesen Idioten so schnell wie möglich los?!

            Jetzt bin ich beleidigt.

Und ich soll mich schuldig fühlen.

            Mitleidig.

OK. Ich bin hier, um ich selbst zu sein.

            Und wer bist du?

Das war klar.

            Mir nicht.

Gut, mir auch nicht. Aber mir ist es klar geworden.

            Wie?

Durch den vielen Ärger.

            Ich höre seltsame Geräusche im Haus.

Ja, klingt wie dramatische Hintergrundmusik eines Kriegsfilms.

            Passt doch.

Zum Ärger?

            Ja.

Ich hab keine Lust auf philosophisches Geschwätz.

             Merk ich.

Es ist doch scheiß egal, warum ich hier bin, wozu musst du das wissen?

            Weil ich du bin.

Dann hab ich mich wohl aus den Augen verloren.

            Aus den Augen, aus dem Sinn.

Gut, dass du mich dran erinnerst.

            Nur wer sich verliert, kann sich finden.

So ein Theater!

            Zumindest können wir uns wieder wichtig tun.

Stimmt. Hauptsache schwätzen.

            Das reicht für heute.

Vielleicht auch für morgen.

            Und gestern.

Bla, bla.

JRH, 23.4.2017